16.07.2004

Paddeln auf der Lahn

Erster Tag - der Start
Am 16.7.2004 war es mal wieder so weit. Die Vorbereitungen für das Paddelwochenende starteten bereits gegen Mittag bei unserem Bootsverleiher in Köln. Hier machten wir die ersten langen Gesichter. Die großen Kanadier machten einen schlechten Eindruck auf uns. Zu den Defekten aus den letzten Jahren waren noch einige neue dazu gekommen.
Nach einer kurzen Inspektion drückte uns das Haus Gatz eine große Rolle Klebeband in die Hand mit den Worten: "Wenn's irgendwo undicht ist, könnt ihr das hiermit reparieren". Im nachhinein betrachtet hätten sie uns besser eine Schöpfkelle gegeben. Aber was soll's. Am Nachmittag starteten wir gemeinsam in Richtung Odersbach an der Lahn. Richtig glücklich war die Familie Jancke, die dieses Mal keinen Anhänger an ihren Auto hatte. Dieser hatte ihnen bei der letzten Tour die Anreise deutlich erschwert und das Tempo gedrosselt. Der sportlich fahrende Ernst konnte so zum Schrecken seiner Frau wieder richtig Gas geben.
Die Ankunft am Campingplatz ließ unsere gute Stimmung leicht absinken. Der von uns gebuchte Platz war recht klein. Das ganze wurde abgerundet durch benachbarte Dauercamper. Nachdem wir unser Versorgungszelt (5 x 8 m) mit 8 Biertischgarnituren, den Wohnwagen und das Wohnmobil aufgestellt hatten, blieb nicht mehr viel Platz für die restlichen Zelte übrig. Im Laufe der Jahre wurden aus den kleinen Iglu-Zelten immer größere Gebilde mit Vorraum und Terrasse - oder so. Die Zelte standen auf jeden Fall so dicht, daß der Nachbar den Hering der Sturmleinen in oder kurz vor seinem Zelt hatte. Hier gab es dann auch am Abend und in der Nacht genug Flüche und Stürze wegen der doofen Leinen. Blut floss keins!
Im Mittelpunkt des Durcheinanders stand unser Versorgungsanhänger mit Kühlzelle und externem Kühlgerät. Weiterhin bildete sich hier auch ein großer "Stuhlkreis" um den Grill und die Pfanne.
Der Abend begann mit frischen Reibekuchen aus der Pfanne. Hauptverantwortlich war hier eigentlich Elvira, aber jeder wollte unbedingt die Reibekuchen einmal wenden. Am Schluss waren es dann schon Wendekuchen, die nach Reibekuchen schmeckten. Beim Bier ging's da einfacher zu. Hier war nur ein Hahn und jeder durfte dran drehen. Und das machten alle - und alle richtig !

Der zweite Tag - der erste richtige Paddeltag !
Nach einem ausgiebigen Frühstück mit Rührei aus Speck und 60 Eiern war die Gesellschaft startbereit. Wobei sich das einfacher anhört als es ist. In Wirklichkeit ist immer noch einer auf der Toilette, findet seine Kinder oder die Autoschlüssel nicht. Und die, die gesucht werden sitzen dann schon im Auto und suchen nach einiger Zeit den, der sie sucht.......
Nach ca. 25 Minuten hat man sich dann wirklich zur Abfahrt gefunden.
Mit den Booten an Haken ging es dann nach Braunsfeld. Hier war unsere Einsetzstelle und die erste Panne. Das Wichtigste fehlte. Unser Schleusenschnaps! Dieser wurde dann noch schnell in einem benachbarten Supermarkt gekauft.
Das Wetter und die Strömung waren schön. Die "neuen" Paddler fuhren die ersten Kilometer erwartungsgemäß im Zick-Zack über den Fluss. Die Paddelpausen verbrachten wir auf dem Fluss, indem wir die Boote zusammenhielten und Essen und Getränke austauschten. Das schöne an der Lahn sind die handbetriebenen Schleusen. Hier können sich die Kinder an der Bedienung austoben und der Rest trinkt unter großem Gebrüll (Immmm-baaaaaach...3x) den wohlverdienten Schleusenschnaps.
Nach einem kleinen Zwischenstopp saß Brigitte plötzlich leicht bekleidet und pudelnass im Boot. Trotz vorsichtigem Fragen aller wollte sie uns nicht erzählen was und wie das Missgeschick passiert ist. Auch der Gatte Ernst schaute grinsend in den Himmel - sicherlich ist sie irgendwo mal aus dem Boot gefallen ?
Die Stimmung auf den Booten war gefährlich gut. In der letzten Schleuse bei Weilburg versuchte sich das Boot mit dem Hilfssteuermann Ernst der drohenden Situation einer eventuell bevorstehenden Wasserschlacht zu entziehen. Was das Team Jancke nicht wusste war, daß dieses für Rainer das Zeichen für eine Wasserschlacht war. Das Boot wurde verfolgt eingeholt, gestellt und fast versenkt.
Da man sich bereits in der Nähe des Campingplatzes befand, wurden die störenden Passagiere (das waren die meckernden Frauen, die dann das Fotografieren übernahmen) an Land abgesetzt. Nach kurzer Zeit herrscht eine riesige Wasserschlacht, an der auch unbeteiligte und uns fremde Paddler mit eingebunden waren.
Nachdem dann wirklich fast alle (Team Charlie hat sich durchgemogelt) nass waren, wurden die Boote an Land gezogen und vom Wasser entleert.
Ein Teil der Mannschaft mußte die Autos von Odersbach nach Braunsfeld versetzen. Rainer fuhr uns mit 7 Leuten auf 5 Sitzen von Braunsfeld zurück nach Odersbach. Leider verloren wir leicht die Orientierung, verfuhren uns bereits nach wenigen Kilometern und landeten irgendwo in Weilburg in der Innenstadt. Und damit auch alles recht kompliziert wird, war in dem Städtchen die Hölle los - "PUR" spielte hier und die Stadt war voller Polizisten. Das beunruhigte Claudia und Charlie sehr, sie saßen nun mal unangeschnallt im VW-Bus auf dem Boden und mussten ständig die Köpfe einziehen. Die Krönung war, wie Rainer es noch wagte, einen Polizisten ans Fenster zu winken und nach dem Weg zu fragen. Nach vielem hin und her landeten wir dann doch an unserm Ziel - Odersbach.
Gelernt haben wir auch daraus: Beim nächsten mal nehmen wir eine Landkarte mit, das macht Sinn ! Der anschließende gemütliche Teil (Essen und Trinken) wurde von Ernst und Tobi organisiert. Ernst durfte grillen und Tobi rührte mit großer Freude Zwiebeln, Speck und Bratkartoffeln in der Pfanne im Kreis herum.
Schlecht war allerdings wohl die Aufstellung des Kühlgerätes gewesen. Der benachbarte Dauercamper fühlte sich durch den Lärm belästigt und hatte wohl tagsüber das Gerät abgestellt. Diesen Vorgang bestritt er heftig (was ich an seiner Stelle auch getan hätte).
Zur Strafe haben wir ihn mit Lärm bis in den Morgen bestraft. Zur Abrundung des gelungenen Abends bescherte man uns noch ein schönes Unwetter. Aber was soll's - wir saßen gemütlich im Versorgungszelt, Anke spielte irgendetwas auf dem Akkordeon und das Bier schmeckte. Was will man mehr ?

Der dritte und letzte Tag:
Der Morgen begann wie immer. Lange Gesichter, hungrige Kinder, keiner kocht Kaffee und der Rest schläft noch. Nach einer morgendlichen Stärkung ging es dann weiter nach Braunsfeld. Hier standen ja bereits unsere Autos mit dem Anhänger. Bei schönem Wetter verging die Zeit auf der Lahn wie im Fluge. An einer ruhigen Stelle verspürten die Kinder Lust schwimmen zu gehen - eigentlich wollten sie nur Wasserbomben aus den Booten heraus machen. Den Tipp bekamen sie von Rainer, der, nachdem die Pänz nicht so richtig erfolgreich waren, selbst ins Wasser sprang und alle in der Nähe befindlichen Leute so richtig erwischte.
Je näher wir uns der Aussetzstelle näherten, um so dunkler wurde der Himmel. Pünktlich nach dem Einpacken und Verladen der Boote kam ein Wasser vom Himmel, daß die Scheibenwischer kaum für freie Sicht sorgen konnten. Angekommen am Campingplatz schüttete es immer noch und wir standen in unseren Versorgungszelt bis zu den Knöcheln im Wasser.
Auch bei den anderen Zelten konnte man sehen, wer wie viel Geld für sein Zelt ausgegeben hatte. Hier stand das Wasser zwischen null und mehreren Zentimetern. Nach dem Regen kam die Sonne heraus und trocknete alles. Wir konnten unser Lager abbauen und die Heimreise antreten.
Glück hatte auch der Dauercamper, er war noch da und man konnte ihm nicht den Stecker vom Wohnwagen herausziehen - schade. Wenn man so auf die drei Tage zurück- schaut, war es eine schöne Tour mit vielen Erlebnissen.

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