27.02.2017

Karneval mit den Imbachern (Presse)

Kölner Stadtanzeiger
Opladen ist am Rosenmontag aufgeblüht. Das Motto ?Blühendes Opladen? haben die meisten Gruppen gemäß des Flower-Power-Spruchs ?Make love, not war? erweitert und sich ganz auf Blumen, Buntes und Kamelle konzentriert, politische Botschaften bleiben fast komplett aus. Ob nun bunt oder bissig, für die Zuschauer ist das Wichtigste: D?r Zoch kütt. ?Endlich wieder?, sagt Piratin Roswitha ?Ein Rosenmontag ohne Opladener Zug ist kein echter Rosenmontag.? Im vergangenen Jahr war der Zug wegen einer
Sturmwarnung abgesagt worden. Eine erneute Absage, das wäre auch für Clown Stephan und seine Freunde ein Drama gewesen, schließlich sind sie vorbereitet wie wohl wenige: Auf ihrem Bollerwagen gibt es nicht nur akkurat geschnittene Käsehäppchen und reichlich Getränkevorräte: In der Mitte thront eine Herdplatte, darauf ein Pfanne, in der hausgemachte Frikadellen braten. ?Es ist immer alles besser, wenn es warme Frikadellen gibt?, begründet Stephan den Aufwand. Schnell muss er sie wenden. ?Unserem Freund Erik von den Altstadtfunken wollen wir gleich eine überreichen.?
Schmetterling fliegt spontan mit
Auf der Kölner Straße stehen die Zuschauer in dichten Reihen, als der Zugleiter pünktlich um 14.11 Uhr die Wagen starten lässt: Schüler und Lehrer der GGS Opladen kommen als Zauberer und Hexen, natürlich mit vielen Blumen an den Umhängen. Die Gruppe Heinrich der 12. grüßt von ihrem Luftballon-behangenen Wagen in buntestem Hippie-Outfit.
Hinter der brasilianisch gekleideten Samba-Gruppe fliegt ein riesiger Schmetterling her. Das war so nicht geplant: Frank Folger ist als Zuschauer zum Zug gekommen. Und plötzlich findet er sich mittendrin wieder, eingeladen von der Samba-Gruppe. ?Als Maskottchen?, sagt Folger. Zehn Kilo wiegt sein selbstgebautes Kostüm mit gigantischen Flügeln und einem japanischem Fächer. ?Aber das schaff ich bis zum Ende, das war immer schon ein Traum, mal in Opladen mitzugehen.?
Prinz hat Muskelkater vom Werfen
Prinz Peter III. grüßt alle vorbeiziehenden Gruppen von seinem Wagen, der am Startpunkt in der Parkbucht steht. Der Opladener Zug, das wird der Höhepunkt seiner Regentschaft, hatte er schon vor Monaten gesagt. Aber jetzt ist er nicht mehr sicher.
?Kann es wirklich noch schöner werden als gestern in Wiesdorf?? fragt er mit leicht angeschlagener Stimme. Auch die Muskel schmerzen vom vielen Werfen und Winken. ?Man kriegt viel erzählt, wie es so ist als Prinz. Aber ich habe mir nicht vorstellen können, dass es so schön ist. Einfach genial.? Als der Prinzenwagen um 15.27 Uhr endlich aus seiner Parkbucht fährt, bricht die Sonne durch die Wolken. Der Muskelkater ist sofort vergessen, der Prinz greift mit beiden Händen beherzt zum Wurfmaterial.
Politische Botschaften finden sich alleine auf dem großen Piratenschiff der Dorfgemeinschaft Imbach, das mit seinem hohen Mast immer wieder in den Bäumen auf der Kölner Straße hängen bleibt. Mit Blüten statt Blumen wurde das Motto hier umgesetzt. Falschgeld als Lösung aller Leverkusener Probleme: ?Opladen braucht ein Blütenmeer, dann sind die Kassen nicht so leer.?
?Das war mein Lieblingswagen?, sagt ein kleiner Cowboy auf dem Heimweg. Papa Dirk trägt die Beute in zwei große Tüten. Er geht mit seiner Familie jedes Jahr zum Opladener Zug. ?Es war sehr kurzweilig und schön bunt. Für mich muss es nicht politisch sein. Hauptsache, alle haben Spaß.? (Stefanie Schmidt)
? Quelle: http://www.ksta.de/25681016 ©2017


Rheinische Post
Leverkusen. Kamelle satt, Wetter jod, Jecken gut gelaunt. Nur ein kleiner grüner Elefant der "Jecken us d'r Altstadt" kämpfte bis kurz vor 14.11 Uhr ums Mitfahren. Von Ludmilla Hauser
"Gott sei Dank, jetzt strahlt er wieder", sagt Erika Dunkel und strahlt selber. Auch wieder. Eine Stunde zuvor war der Opladenerin, die praktisch die Mutter der Compagnie für die "Jecken us d'r Altstadt" ist, das Strahlen vergangen. Da hatte ausgerechnet der handgezogene, bildhübsche Mottowagen "Ein Herz für uns Brauchtum" einen Achsbruch. "Dat ist aber richtig Mist", rutscht es Dunkel raus, die erstmal die vier Jahreszeitenwägelchen nebst dazugehörigen Teams zum Aufstellplatz an der oberen Kölner Straße delegiert. Seit dem Sommer hat die Mini-Karnevalsgesellschaft aus Familie und Freuden am Rosenmontags-Auftritt gearbeitet, hat die Wagen hergerichtet. Denn mit dem Achsbruch ziert ein blütenbemalter grüner Elefant, die der Jahreszeiten etwa Schafe fürs Frühjahr, ein Dukatenesel für den Sommer. Die Teams sind passend als Schäfchen, Marienkäfer, Vogelscheuche und Schneemänner verkleidet. "Wir ziehen seit fünf Jahren mit", erzählt Erika Dunkel. Aber ein Achsbruch, das ist noch nie vorgekommen. Dunkel lässt die Männer ran an den Notfall, allen voran Walter Franz, Chefkonstrukteur der Truppe. Und das THW, dessen Akkuschrauber aber erstmal leer sind.
Zugleiter Manfred Luxem hat beim Abgehen der Zugwagen für die Pechvögel aus der Altstadt Lob parat: "Die machen sich immer sehr viel Mühe. Diesmal haben sich aber wirklich alle etwas einfallen lassen, was zum Motto passt." Findet auch Toni Blankerts vom Komitee Opladener Karneval (KOK), der sich das Zochmotto "Blühendes Opladen" hatte einfallen lassen und am Rande des Zuges zwar verrät, "zum Neuen haben die Leute sicher auch viele Ideen", aber das Motto 2018 noch nicht preisgeben will.

Vorbei an der KG "Vier tolle Häuser", die samt Pfarrer Heinz-Peter Teller als Wetterfrösche unterwegs ist und eine drehbare Wetterfroschleiter fröhlich kreisen lässt, an zahlreichen blumigen Fußgruppen und ebensolchen Wagen - "im Zug gehen 1500 Teilnehmer mit, es waren schon mehr, aber dieses Jahr fehlen fünf Gruppen" (Luxem) - weckt ein Wagen, ach was, ein echtes Piratenschiff, besondere Aufmerksamkeit. "Also die Imbacher lassen sich immer etwas mit politischem Bezug einfallen. Da würde was fehlen, wenn die nicht mitmachen." Ja. Zum Beispiel ein Klappmast mit Ausguck, den die Imbacher Dorfgemeinschaft unterwegs tatsächlich immer mal einklappen muss, um Stromleitungen und Äste zu umschiffen. "Den Wagen wollten wir letztes Jahr nutzen", erzählt Ulrich Kramp. Da fiel der Zug wegen Sturmwarnung aus. Die Imbacher dekorierten um. Am Schiff klebt zum Beispiel ein Eine-Million-Euro Schein, "den haben wir extra für Oberbürgermeister Uwe Richrath erfunden." Dessen Konterfei ist denn auch auf dem Schein zu sehen. Daneben lesen sich etliche auf die Leverkusener Verkehrs- und Finanzsituation gemünzte Sprüche wie "Bülten her, dann kann Lev noch mehr", "Tunnel, Stelze, keine Schnitte - Piraten fahren bis Leverkusen-Mitte", "Wo nichts den Haushalt retten kann, müssen jetzt die Blüten ran" oder "Für Opladen soll es Blüten regnen".
Piraten gibt es gleich noch mal im Zug. Die acht "Freibeuter Leverkusen" aus Bergisch Neukirchen, die zum ersten Mal teilnehmen, "einfach, weil es Spaß macht und wir unsere Beute unters Volk bringen wollen", merkt Freibeuter-Chef Michael Peters lächelnd an. Apropos Spaß machen: SPD-Bundestagsabgeordneter Karl Lauterbach ist mit den "Roten Socken" (SPD Opladen) unterwegs. "Ich bin ja Rheinländer. Als Kind war ich immer beim Zug", plaudert Lauterbach, der "mit Rotwein ein bisschen vorgeglüht" und sich extra eine übergroße, "bundestagsuntaugliche" Fliege besorgt hat. Der Mann kommt gebürtig aus Düren. "Über die Jahre habe ich das vernachlässigt. Das muss sich wieder ändern."
Ändern könnte sich auch, das wünscht sich Zugleiter Manfred Luxem, dass "nur eine Kita und eine Grundschule in Opladen teilnehmen. Früher waren es mal mehr."
Als um 14 Uhr die Tunnel-, Brücken-, Gartenbauer und Stauberater des KOK ihre Bauhelme zurechtrücken, die Reiterstaffel der Altstadtfunken ihre zehn Zugpferde ans Geschehen heranführt und Dieter März als stellvertretender Prinzenführer auf dem Wagen von Peter III. einen letzten Blick auf Handbälle, Handtücher und tausende Pralinenschachteln und -schächtelchen wirft, herrscht an der Ecke Neustadtstraße noch Aufregung. Bei den "Jecken us d'r Altstadt" liegen Vogelscheuche Peter, "mein Nachbar", sagt Erika Dunkel, und Walter Franz unter dem aufgebockten Elefanten. Werkzeugvokabular fliegt durch die Luft wie später die Kamellchen. Das THW hat einen aufgeladenen Akkuschrauber besorgt. "Wir probieren's, zieht die Kiste weg", sagt Franz vier Minuten vor Zugbeginn. Der Wagen steht. Eine halbe Stunde später rollt der grüne Blütenelefant mit im wogenden Rosenmontags-Blumenmeer.


Leverkusen. Der Festausschuss Leverkusener Karneval (FLK) verteilte für die Gruppen in den Karnevalszügen Opladen und Wiesdorf Preise. Die Gewinner:
Opladen:
Gesellschaftswagen
1. Karnevalsgesellschaft (KG) Altstadtfunken Opladen (Motto: "Altstadtfunken lassen Opladen erblühen")
2. KG Närrische Kolpingsfamilie Opladen (Motto: "Kolping blüht bunt, in Opladen geht's rund")
3. KG Neustadtfunken Opladen
Sonderpreis:
KG Wupperveilchen Opladen (Motto: "Skyline Opladen")
Gesellschafts-Fußgruppen:
1. KG Kolpingsfamilie Opladen (Motto: "Kolping blüht bunt, in Opladen geht's rund")
2. KG Närrischer Familienverband Opladen
3. Frauengruppe der KG Feuerwehr Opladen.
Freie Gruppen:
1. Fußgruppe der "Jecken us d'r Altstadt" (Motto: "Blühendes Opladen: Ein Herz für unser Brauchtum in den vier Jahreszeiten")
2. Fußgruppe Imbacher Dorfgemeinschaft ("Blühende Piraten")
3. Fußgruppe "Die Freibeuter" (Motto: "Freibeuter Leverkusen - Beute fürs Narrenvolk")
Sonderpreis:
Fußgruppe SPD Opladen (Motto: "Rude Söck - OP Söck")
Freie Wagen:
1. Imbacher Dorfgemeinschaft (Motto: "Blühende Piraten")
2. Die vier tollen Häuser (Motto: "Jecke Wetterfrösche lassen Opladen aufblühen")
3. Gesellschaftswagen der KG Rot-Gold Leverkusen

Leverkusen
Das neue OP-Motto: "Simsalabim - Opladener Klimbim"
Leverkusen. Der herrliche Opladener Rosenmontagszug ist gerade erst vorbei und zack, da zaubert das Komitee Opladener Karneval (KOK) schon das Zugmotto für die nächste Session herbei. Es lautet:
"Simsalabim - Opladener Klimbim".
Da sind wir Karnevalisten und Zugbesucher aber gespannt, was die Jecken dazu erfinden werden. KOK-Pressesprecher Toni Blankerts und seine Mitstreiter vom Opladener Komitee hoffen, dass der nächste Karnevalszug so bunt und schön wird wie der vergangene. "Es hat sich gezeigt, dass nicht nur bissiger Humor, sondern auch bunt geschmückte Wagen und Fußgruppen von den Zuschauern am Straßenrand oder auch von den Fenstern am Zugweg bejubelt werden", analysierte der ehemalige KOK-Präsident Toni Blankerts gestern und erklärte das neue Opladener Motto. Das Wort "Simsalabim" zähle zu einer Vielzahl von Zaubersprüchen, die bis in das 8. Jahrhundert zurückgingen. Mit "Klimbim" sei "überflüssiger Kram, Unordnung, Gerümpel, Krimskrams, Blödsinn, zweckloser Aufwand, Nippes, Ramsch, Sammelsurium und Firlefanz" gemeint, schrieb Blankerts weiter. In Wiesdorf dürfen die Jecken für 2018 an diesem Motto arbeiten: "Fastelovend - gester, hügg und morje".


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